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Wikileaks-Zensur in den Vereinigten Staaten

Posted in Internet, Zensur with tags , , , , on 17. Dezember 2010 by Kaeptn Dotterbart

Nach langer Zeit der Abstinenz schreibe ich wieder einen Blog-Eintrag. Grund dafür geben die aktuellen Entwicklungen um Wikileaks, genau genommen ein sehr guter Artikel von Spiegel Online: „Was WikiLeaks mit Internetsperren zu tun hat“
Der Autor – Christian Stöcker – schreibt darüber, dass US-Air-Force Mitarbeiter an ihrem Arbeisplatz nicht mehr Wikileaks aufrufen dürfen und sogar manche Zeitungsseiten gesperrt werden – darunter „New York Times“, „Le Monde“ und „The Guardian“. Kurzum: Medienzensur am Arbeitsplatz. Dabei gelingt es dem Autor geschickt erneut auf die Gefahren einer Zensurinfrastruktur hinzuweisen, die in solchen Fällen gewiss zum flächendeckenden Einsatz führen könnte.

Aber warum schreibe ich jetzt in meinem Blog darüber, wenn es eh schon in Spiegel Online steht? Weil ich darauf hinweisen möchte, dass es sich bei der Zensur für die US-Air-Force-Mitarbeiter lediglich um die Spitze des Eisbergs handelt. Tatsächlich hat dieser Wahnsinn schon längst Methode. So wurde bereits den amerikanischen Soldaten im Irak der Saft zu Wikileaks abgedreht – und ebenso auf alle gängigen Nachrichtenformate, die darüber schreiben, wie beispielweise CNN. Wer über Wikileaks twittert oder auf Facebook darüber schreibt kann darüber hinaus auf Dauer seinen Job verlieren.
Aber es kommt noch besser: Die Library of Congress, eine der größten Bibliotheken weltweit zensiert den Zugriff auf Wikileaks. Das gilt für die Mitarbeiter und für alle Besucher über das Bibliothekseigene WLan. Eine Bibliothek sollte eigentlich für die Freiheit des Wissens und der Forschung einstehen und bis zum letzten gegen jegliche Zensur kämpfen. Aber wenn amerikanische Interessen bedroht sind, sieht das wohl leider anders aus.

Und als Sahnehäubchen obendrauf die Farce schlechthin: USA wird nächstes Jahr der Gastgeber des UNESCO’s World Press Freedom Day 2011 sein. Thema werden die Medien des 21. Jahrhunderts sein. Und man muss sich mal den Klappentext auf der Zunge zergehen lassen:

„New media has empowered citizens around the world to report on their circumstances, express opinions on world events, and exchange information in environments sometimes hostile to such exercises of individuals’ right to freedom of expression. At the same time, we [The United States] are concerned about the determination of some governments to censor and silence individuals, and to restrict the free flow of information.“

Da wurde offensichtlich der Bock zum Gärtner gemacht.

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