Archiv für Zensursula

Piraten mit Bärte?

Posted in Piraten, Piratenpartei with tags , , , , , on 1. September 2009 by Kaeptn Dotterbart

Seltsam manchmal, welchen Kurs das Segel schlägt, wenn man im Internet surft. Eigentlich wollte ich mich nach den Unterhaltungsmöglichkeiten in Leipzig umschauen, da bin ich auf finde-dein-erlebnis gestossen. Eine Seite, auf der eine „Erlebnisdatenbank“ entstehen soll, „mit der man gezielt nach Ausflügen, Wanderung, Restaurants etc. in einem gewünschten Gebiet suchen kann.“ Das heißt, User können dort von ihren Erlebnissen schreiben und somit anderen Usern Eindrücke liefern.

Besonders sympathisch:

„Das Ganze natürlich ohne kommerziellen Einfluss und bezahlten Einträgen, welche das Suchergebnis verfälschen.“

Besonders auffällig:
Der Bildschirmlange Banner der PIRATEN, am rechten Rand der Page: Gegen Zensur und für die Freiheit!


Integriert im Banner ist ein Video von den PIRATEN, dass ich noch nicht kannte. Ein Lied von den Piraten und ihren „Werten“. Wobei man das mit den Werten anscheinend nicht so genau nehmen muss, schließlich schreibt die Hannoversche Allgemeine Zeitung: „Alle, die mit uns den Bundestag kapern, müssen Piraten mit Bärte sein.“ Na da bin ich ja mal froh, dass ich einen Bart habe, hihi …
Aber gut, ist ja auch nicht so einfach, schließlich ist der Text der Piratenversion kaum zu unterscheiden von dem Text des friesischen Originals, hehe … Da kann sowat mal ja passieren, nö?
Allerdings hat mich das Video auch sonst etwas irritiert. Gut, das Video ist echt professionell gemacht und hat bestimmt das Potenzial in gewissen Kreisen richtig gut anzukommen. Vor allem für eine Junge Partei natürlich eine Super Idee. Mir persönlich gefällt es leider trotzdem nicht. Musikalisch für meinen Geschmack zu poppig und außerdem spiegelt sich in dem Piraten-Video alles wieder, was MTV hervorgebracht hat inklusive  sex_sells. Klar, über Geschmack lässt sich streiten, aber musste man der Sängerin unbedingt noch einen Hut aufsetzen, der wohl Piratenflair versprühen soll? Ich stelle mir vor, die CDU hätte so einen Wahlsong, und vornedran stände Zensursula mit einem Stoppschild auf den Kopf und singt: „Helfe uns das Netz zu zensieren, so müssen christliche Werke sein.“ …

Nach diesem Seegang bin ich wieder in den Hafen zurückgesegelt und habe mir die Ursprungsseite, also finde-dein-erlebnis, noch einmal angeschaut. Wer ist das, der so offensiv für die PIRATEN wirbt? „Über uns“ verrät mir, dass das Anliegen war,

„eine Plattform zu schaffen, welche übersichtlich gestaltet und einfach zu bedienen ist. Unsere stetig steigenden Besucherzahlen gibt uns recht, dass soetwas lange gefehlt hat.“

Besucherzahlen im vorigen Satz sind zwar eigentlich Plural, aber versteht man schon. Außerdem versprüht die Page einen sehr positiven Grundgedanken:

„Jeder kann vollkommend kostenlos sein eigenes, entdecktes Erlebnis eintragen und mitteilen wie es ihm gefallen hat. So entsteht nun nach und nach eine nichtredaktionelle Datenbank aus privaten Einträgen und unverfälschten Meinungen.“

Auch in diesem Zitat kann ich mir das überflüssige „d“ noch vollkommenen wegdenken, aber bei der „Vision“ komm ich dann doch noch ins Stolpern ...

„Finde-Dein-Erlebnis.de soll Anlaufpunkt für viele Ausflugsinteressierte werden und gleichzeitig wünschen wir uns, dass viele neue Einträge unserer Besucher unsere Datenbank füllen. In einer so von Zeit geprägten Welt ist das natürlich eine Herausforderung und die Hemmschwelle für den Eintrag (aus Angst vor Fehlern oder dem generellen Verfassen eines Eintrages) ist hoch. Da wir unsere Seite auch zukünftig ohne kommerziellen Einfluss betreiben werden und wir persönlich immer ansprechbar sind und damit auch Fehleinträge, Unterstützung beim Eintrag usw. ohne Probleme bearbeiten können, so dass diese Hemmschwelle hoffentlich überwunden werden kann ;).“

Ähm, wie bitte? Also, irgendwo, spätestens im letzten Satz, glaub ich, ist der Zusammenhang verloren gegangen …

Doch trotz aller Fehler im Fließtext: „Die Idee sind gut, weiter so!“

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zensi… zensa… die Piratenpartei ist da?

Posted in Piraten Forum, Piratencrew Konstanz with tags , , , , , on 12. Juli 2009 by Kaeptn Dotterbart

Ich bekenne mich schuldig! Ich habe im Forum der Piratenpartei Deutschland -> Unterforum Baden-Württemberg -> Unterforum Konstanz einen neuen Thread eröffnet und darin die Gretchen-Frage gestellt,

„wie wir als lokaler Stammtisch mit der Holocaust-Leugnung von Bodo Thiesen umgehen sollen.“

Gut, war natürlich weit hergeholt, von Bodo Thiesen als einem Holocaust-Leugner zu sprechen … Besser natürlich, ich hätte meine Aussage relativiert und genauso wie Spiegel Online von einem Holocaustleugner-Verteidiger oder wie Indymedia von „holocaustrelativierenden Aussagen“ geschrieben … Aber ist der Unterschied wirklich so groß? Macht es in der Sache einen großen Unterschied, ob jemand selbst den Holocaust verleugnet oder andere Holocaust-Leugner verteidigt? Ich schließe mich dem Urteil Jacob Frickes an, nämlich dass in keiner Partei ein Holocaust leugnender Relativierer in ein Parteiamt gewählt werden kann.
Dennoch ist allein die Tatsache, dass Bodo Thiesen ins Amt der Piraten erhoben wurde NOCH nicht Grund genug für mich, meine Unterstützung für die Partei aufzugeben. Zu viele Hoffnungen setze ich in einen Wechsel. Und man darf nicht vergessen: Die Partei ist jung und da muss man noch so manche Linie finden. Deshalb: Menschen machen Fehler, die 86 Wähler, die Herrn Thiesen ins Amt gewählt haben, auch. Aber nachdem die Karten nun offen liegen und keiner mehr sagen kann, er weiß davon nichts, seitdem MUSS die Frage ob Bodo Thiesen ein Amt in einer Partei ausüben kann neu diskutiert werden! Denn wird dieser Fehltritt nicht korrigiert, dann wird es an der Zeit, die eigene Unterstützung zu überdenken – und zum korrigieren muss man beim diskutieren anfangen. Weil sich die Piratenpartei gerne so basisdemokratisch gibt, dachte ich mir, ich fange ganz unten mit dem diskutieren an: Im Stammtisch der Piratenpartei Konstanz.
Also habe ich einen Thread in besagtem Forum geöffnet und nach der präzisen und NICHT-relativierenden Einleitung meines Threads, habe ich im Folgenden ganz sachlich den aktuellen Stand der Information dargestellt: Nachdem die Piratenpartei Herrn Thiesen bereits verwarnt hatte, hat sie ihn dazu aufgefordert, „sich eindeutig und endgültig von seinen fragwürdigen Äußerungen zum Holocaust zu distanzieren“. Distanzieren ist zwar auch nicht das Gelbe vom Ei, aber schonmal ein Anfang. Bodo Thiesen folgt der Aufforderung und „distanziert“ sich von seinen Aussagen. Wer wörtlich lesen kann, dem fällt jedoch schnell auf, dass es mit der Distanzierung nicht viel auf sich hat. Weshalb es auch einen offenen Brief an Bodo Thiesen gibt, in dem gefordert wird, er solle von Parteiamt und seinem Listenplatz zurücktreten…

Soweit zum Hintergrund. Ich habe also diesen Thread in unserem Sub-Sub-Forum eröffnet, um meiner lokalen Piratencrew einfach mal auf den Zahn zu fühlen. Schnell hatte sich auch eine Diskussion entwickelt. Circa 24h später will ich wieder in den Thread reinschauen – doch als ich mich einloggen will, bekomme ich folgende Nachricht:

„Du wurdest auf diesem Board dauerhaft gesperrt. Bitte kontaktiere die Board-Administration, um weitere Informationen zu erhalten. Für die Sperre angegebener Grund: Üble Nachrede. Dein Benutzername wurde gesperrt.“ (Screenshot)

Der gesamte Thread und alle meine anderen Einträge sind gelöscht!
Wie bitte? Ich dachte erst, das sei ein Witz. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Im Forum der Piratenpartei wird zensiert? Im Forum einer Partei, die wie keine andere gegen die Zensur des Internets eintritt? Das ist ja, als würden die Grünen den Ausstieg aus dem Atomausstieg fordern, die CDU Studiengebühren abschaffen wollen und die FDP für eine soziale Marktwirtschaft sein… Vielleicht soll das ja auch eine Wahltaktik der Piratenpartei sein? Denn wenn Zensursula lieber „sperren statt löschen“ will, und ihre Gegner mit „löschen statt sperren“ kontern, da kann vielleicht nur eine echte Bürgerpartei wissen, wonach ihre Bürger in solche einem Fall eigentlich verlangen. Und das Forum der Piratenpartei leistet diesen Spagat mir Bravour: Löschen UND sperren! (das nächste Mal möchte ich aber wenigstens noch ein Stoppschild sehen!)
Ohne Verwarnung oder sonstige Maßnahme! Nur die Mitteilung ich bin dauerhaft vom Forum gesperrt – Begründung: Üble Nachrede.

Also den Zensurator (der Zensur-Administrator, der hier nicht namentlich erwähnt werden soll) angeschrieben und mal ganz höflich um eine detailliertere Begründung gebeten: Wo hat denn genau meine Üble Nachrede gestanden und bin ich jetzt tatsächlich für immer vom Forum gesperrt? Warum wurde ich eigentlich nicht vorher gewarnt und wie sie sich denn nun vorstellen, wie ich in Zukunft mit meinen Piraten vor Ort gemeinsame Aktionen planen soll???
Antwort gab es – kurz und bündig:

Ich kenne keinen Beweis, das Bodo T. den Holocaust geleugnet hat. Jemandem zu unterstellen er würde den Holocaust leugnen(Also eine Straftat begangen zu haben) ohne einen Beweis verstößt gegen das StGB und ist wahrscheinlich Üble Nachrede oder gar Verleumdung.

Unterschrieben das Ganze von einem Pirat aus Bayern … Warum darf der denn bitte entscheiden, was wir in Konstanz diskutieren oder für Meinungen haben? Und vor allem: Eine Partei, die wie keine andere Partei für die Transparenz des Staatsapparates und dessen Entscheidungen einsteht, deren Zensurator löscht den gesamten Originalthread?? So das keiner mehr nachvollziehen kann, ja nicht einmal ich selber argumentieren kann, inwieweit der Vorwurf stimmt oder nicht? Wahlversprechen und Praxis liegen da leider sehr sehr weit auseinander …

Immerhin, Vielen Dank an meinen Stammtisch in Konschtanz, der auch ohne mein Zutun und Aufforderungen meinerseits – kann ich ja nicht mehr seit meiner Sperre – diese Aktion auch nicht einfach durchgehen lassen will. Da keimt wieder die Hoffnung auf eine demokratische Entscheidung …
Verwundert bin ich aber immer noch über die Hintergedanken des Zensurators (wenn es sich bei den Antworten überhaupt um die gleiche Person handelt…), so antwortet er auf die Frage unseres Vorsitzenden wieder kurz und bündig:

Ich habe ihn gelöscht und Grundlage war eine mögliche Straftat nach § 186 StGB bzw. § 187 StGB im Eingangspost.
Der Threadstarter wurde dauerhaft gesperrt.
Sollte ich Beschwerden des Threadstarters erhalten werde ich die Sache bei der Polizei zur Anzeige bringen. (Quelle)

Besonders nett finde ich, dass er mir seine Ambitionen mit dem Fall zur Polizei zu gehen – sollte ich mich beschweren – nicht persönlich mitgeteilt hat. Er hofft wohl darauf, dass ich mich beschwere und dann zieht er sein Ass aus dem Ärmel … Den Gefallen werde ich ihm nicht tun, aber ich mache den Weg frei, mit diesem Blog Beschwere ich mich darüber, dass ich dauerhaft gesperrt wurde!

Ich möchte zum Schluss noch darauf hinweisen, dass ich mir voll bewusst bin, dass die Administratoren des Piratenforums nicht zwangsläufig die Meinung der Piratenpartei vertreten. Ich möchte deshalb auch nicht die gesamte Piratenpartei schlecht machen. Aber wenn die Piratenpartei halten will, was sie verspricht, dann wird es an der Zeit auch gewisse Regeln bezüglich der Meinungsfreiheit, Offenheit und Transparenz für ihr Forum aufzustellen! Sonst sind die Forderungen nicht die Internetseite wert, auf der sie stehen! Dann, liebe Piratenpartei, herzlich willkommen bei den etablierten Parteien.

Heidi schreibt jetzt

„Ich persönlich werde in Zukunft vermeiden auf dieser Kommunikationsplattform irgendwelche derartigen Diskussionen zu führen. Ich möchte ja schließlich nichts nachgesagt bekommen.“

Ziel erreicht, Herr Zensurator! Angst ist eben immer noch die beste Zensur!

PS: Ich gehe am Donnerstag natürlich trotzdem zum nächsten Stammtisch, denn so wie Gedankendelikt schreibt: „Schließlich sind wir die Partei und nicht nur ein einzelner Admin.“ (Auch wenn ich immer noch kein Mitglied bin…)

Jetzt erst recht: Klarmachen zum ändern!

— 14.07.2009 – update: Klarstellung! —

Ich danke erstmal allen Kommentatoren für die rege Diskussion – ihr seid der Lebensnerv und das Rückgrat der Piratenpartei! Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass es nicht meine Absicht war (weder in diesem Blog, noch im Forum der Piratenpartei), eine Diskussion über eventuelle Rechtfertigungen zu führen, inwieweit Bodo Thiesen nun als ein Holocaust-Leugner oder als ein mutmaßlicher Holocaust-Relativierer bezeichnet werden kann…
Da für mich persönlich die genaue Bezeichnung keinen Unterschied macht, habe ich mich eventuell etwas ungeschickt ausgedrückt – deshalb: Ich entschuldige mich hiermit offiziell und in aller Form dafür, dass ich Bodo Thiesen der Holocaust-Leugnung bezichtigt habe. Denn obwohl Herr Thiesen meiner Meinung nach höchst zweifelhafte und Holocaust-relativierende Aussagen gemacht hat, konnte ich selbst keinen Beweis finden, dass Herr Thiesen höchstpersönlich die Existenz des Holocaust grundlegend anzweifelt – folglich distanziere ich mich bis auf weiteres von eigenen, gleichlautenden Aussagen und bedauere eine ähnliche Formulierung im Forum der Piratenpartei verwendet zu haben.
Ich hoffe damit der Diskussion um die genaue Bezeichnung ein Ende setzen zu können – ansonsten aber bleibe ich bei allem, was ich gesagt und geschrieben habe.

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